"Karaoke from Hell"
Unter diesem Motto stand der spontan entstandene Abend von letzten Dienstag, im Zuercher Trendlokal Mascotte. Eigentlich wollte ich nur noch auf ein Bier aus dem Haus, um dann endlich wieder einmal früh zu Bett zu gehen. Aber was ich in letzter Zeit vermehrt erfahren durfte, ist die Perfektion der Spontanität.
Bis zum gestrigen Abend war Karaoke für mich eine Veranstaltung, für den unteren Mittelstand, welcher öfters die Gelegenheit sucht, aus dem ach so langweiligen und unspektakuleren Alltag auszubrechen, um sich für wenigstens ein paar Minuten in einer fremdem Rolle, im Rampenlicht Gleichgesinnter darzustellen.
Passend zum Halloween war der Club schaudrig und düstern dekoriert. Auch das verkleidete Publikum, bestätigte anfänglich meine Meinung bezüglich des Irrsinns der Gesellschaft. Etwas eingeschüchtert besorgte ich mir ein Bier und stellte mich ein wenig abseits an einen kleinen Tisch, wo ich mich mit einem guten Freund über die einzelnen Charakteren in der Masse austauschen durfte.
Plötzlich - ein Schrei, ein Knall und Glassplitter! Die Aufmerksamkeit der tobenden Menge richtete sich auf zwei langhaarige Typen, welche sich wohl durch den Inhalt des laufenden Musikstückes angesprochen fühlten: Sick and destroy! Schon lange nicht mehr hatte ich so ein herrlich echtes, animalisch agressives und ursprüngliches Verhaten von zwei waren Männern gesehen. Fäuste, Tritte, Tische und Stühle flogen in einer undefinierten Abfolge durch den Raum. Nach einer anfänglichen Integration und anschliessenden Intervention des Sicherheitspersonals, war der Konflikt auch bald wieder gelöst. Dies ist sicher auch dem professionellen Moderator des Abends zu verdanken, der die Masse in jeder Situation, innert wenigen Augenblicken für sich gewinnen konnte.
Der Priester - Video Snippet (215KB, MPEG4)
Nach einer berührenden Live-Tauung auf der Karaoke-Bühne wurde nochmals ausgiebig gefeiert, getrunken und gesungen. Je später der Abend, desto intensiver die Erlebnisse! Mittlerweile hatte ich ware Freude an den spontanen Darbietungen der Künstler. Diese wurde auch nicht durch die Tatsache getrübt, als mir die Karaoke-Leinwand inklusive dem Montagegestell auf den Rücken gedonnert ist. Sex, Drugs & Rock n' Roll eben!
Etwas benommen, nichts Böses denkend, taumelte ich zur Bar und bestellte mir ein Bier. Mein Blick schweifte über die Masse und plötzlich hielt ich Inne. Da stand sie...